Dafür, dass sich der ganze organisatorische Kram bezüglich
meines Visums in den letzten Monaten so ewig hingezogen hat, ging es jetzt am
Schluss so schnell, dass ich kaum noch mitgekommen bin: Visum abgegeben, Flug
gebucht, Visum abgeholt und ZACK klingelt der Wecker nachts um halb 3 und looos
geht’s!
Das alles kam mir so unwirklich vor, dass weder der
Abschied, noch die Fahrt zum Flughafen besonders schmerzhaft waren. Kann
allerdings auch daran gelegen haben, dass ich mich innerlich noch im Halbschlaf
befand! Aus diesem wurde ich dann jedoch schlaghaft am Münchner Flughafen
gerissen, als mir die Gepäckabgabe-Maschine verkündete, dass ich nur ein
Gepäckstück abgeben dürfe. Die Angestellte meinte nur trocken, es käme schon
manchmal vor, dass im Internet falsche Angaben stünden und es könne sein, dass
ich das zweite Gepäckstück nicht aufgeben kann, bzw. nur als Übergepäck. Ich
müsse nun auf jeden Fall zu einem Schalter am anderen Ende der Halle. Nach ein
paar panischen Minuten („Ich kann doch nicht meine ganzen Klamotten dalassen“)
stellte sich dann heraus, dass die Maschine einen Fehler gemacht hatte und ich
durfte doch noch meinen Rucksack abgeben.
Der Flug nach Lissabon war relativ kurzweilig und entspannt
und bot einen wunderbaren Sonnenaufgang über den Wolken. Während in Lissabon
die meisten schon an ihrem Reiseziel angekommen waren, ging es dort für mich ja
erst richtig los – 10h nach São Paulo!! Ich war ziemlich müde und war damit
praktischerweise scheinbar nicht allein im Flieger: nach dem Mittagessen
beschloss das gesamte Flugzeug interessanterweise für mindestens 4h alle
Fenster zu verdunkeln und zu schlafen! Seeehr merkwürdig, aber angenehm :) Gegen
Ende des Flugs wurde ich dann doch etwas aufgeregt und hab noch das ein oder
andere portugiesische Wort in meinem Lexikon nachgeschlagen (Was heißt nochmal „Danke
fürs Abholen am Flughafen?“).
Mein erster Eindruck von São Paulo war: eine riiiiiesige
Stadt und Nebel/Regen. Der zweite schlug mir in Form von einer schwülen
Hitzewelle entgegen – von wegen es wird langsam kalt! Mein Glück mit dem Gepäck zeigte sich am Gepäckband erneut, als mein Rucksack
zunächst einmal unauffindbar war. Allerdings stellte sich bald heraus, dass
einigen anderen jungen Leuten ebenfalls ihre großen Backpacker fehlten und wir
fanden sie dann am anderen Ende der Halle auf einem extra Haufen. In der
Ankunftshalle wurde ich von Rosangela, meiner Anleiterin, und einem weiteren
Mitarbeiter von Sefras empfangen und sie fuhren mich ins Franziskaner-Konvent,
in dem ich die nächsten Monate wohnen werde. Mein Zimmer hier ist sehr
schlicht, aber groß und ich hab ein eigenes Bad (sogar mit warmem Wasser.. allerdings
erst, nachdem man 10 min kalt geduscht hat :D).
Die ersten Tage hier hatte ich eine Art „Dauer-Déjà-vu“.
Alles hat mich irgendwie an Indien (ich habe dort 1 Jahr lang ein FSJ gemacht) erinnert:
die Straßen, die fremde Sprache, der Geruch, die Ventilatoren… Sehr verrückt!
Ich hab daraufhin ausversehen ständig angefangen Englisch zu reden (was hier
quasi niemand versteht), mich über die kurzen Klamotten gewundert und… wieder angefangen
mit dem Kopf zu wackeln!!! SCHRECKLICH :D Inzwischen mach ich das zum Glück nur
noch sehr selten.
Hier im Konvent gefällt es mir wirklich gut! Es gibt einen wunderschönen Innenhof mit vielen Pflanzen und eine Dachterrasse mit einer Wahnsinnsaussicht auf das Zentrum von São Paulo! Die Padres sind auch super cool drauf. Sie haben mir gleich am Samstag ein bisschen die Umgebung gezeigt und am Sonntag ist einer mit mir ins Zentrum von São Paulo gelaufen (45min!!) und wir waren im Theater. Hab zwar nicht so viel verstanden (mein Portugiesisch ist eine Katastrophe), aber witzig wars trotzdem. Danach waren wir noch im Zentrum unterwegs und er hat mir ein paar Sehenswürdigkeiten gezeigt, wie z.B. das Teatro Municipal, die Catedral da Sé und die Avenida Paulista (São Paulos bekannteste Straße – dort sind riesen Bürohäuser, Geschäfte und Banken.. wirkt etwas als wäre man in New York). Ist wirklich eine unglaublich spannende Stadt! Auf der einen Seite sieht man unglaublich viel Armut - zerfallene Häuser, gefährliche Viertel, Obdachlose ohne Ende und viele Prostituierte, die definitiv noch keine 18 sind. Auf der anderen Seite gibt es riesige Ausgehviertel, Malls, Museen und teure Autos. São Paulo ist übrigens die Stadt mit der höchsten Hubschrauberdichte der Welt (noch vor New York) – die Multimillionäre fliegen damit in die Arbeit um dem täglichen Straßenchaos zu entgehen..
Hier im Konvent gefällt es mir wirklich gut! Es gibt einen wunderschönen Innenhof mit vielen Pflanzen und eine Dachterrasse mit einer Wahnsinnsaussicht auf das Zentrum von São Paulo! Die Padres sind auch super cool drauf. Sie haben mir gleich am Samstag ein bisschen die Umgebung gezeigt und am Sonntag ist einer mit mir ins Zentrum von São Paulo gelaufen (45min!!) und wir waren im Theater. Hab zwar nicht so viel verstanden (mein Portugiesisch ist eine Katastrophe), aber witzig wars trotzdem. Danach waren wir noch im Zentrum unterwegs und er hat mir ein paar Sehenswürdigkeiten gezeigt, wie z.B. das Teatro Municipal, die Catedral da Sé und die Avenida Paulista (São Paulos bekannteste Straße – dort sind riesen Bürohäuser, Geschäfte und Banken.. wirkt etwas als wäre man in New York). Ist wirklich eine unglaublich spannende Stadt! Auf der einen Seite sieht man unglaublich viel Armut - zerfallene Häuser, gefährliche Viertel, Obdachlose ohne Ende und viele Prostituierte, die definitiv noch keine 18 sind. Auf der anderen Seite gibt es riesige Ausgehviertel, Malls, Museen und teure Autos. São Paulo ist übrigens die Stadt mit der höchsten Hubschrauberdichte der Welt (noch vor New York) – die Multimillionäre fliegen damit in die Arbeit um dem täglichen Straßenchaos zu entgehen..
Am Montag ging es dann zum ersten Mal in die Organisation,
in der ich mein Praktikum machen werde – Sefras. Sie wurde von Franziskaner
Mönchen gegründet, die hier die Ideale von Franz von Assisi, also Soziale
Gerechtigkeit und Solidarität, mit der Arbeit mit den Armen verbinden wollten.
Sefras hat viele verschiedene Projekte, die meisten davon in und um São Paulo.
Ich habe mit meiner Anleiterin Rosangela vereinbart, dass ich mir erst einige
von diesen anschauen werde, und mich dann für eines entscheide, in dem ich mein
Praktikum absolviere.
Am Nachmittag bin ich mit Rosangela daher in das erste
Projekt gefahren. Es ist ein Haus, in dem Immigranten, die nach Brasilien
kommen, eine erste, kostenlose Unterkunft und Verpflegung erhalten, sowie
sozialpädagogische und psychologische Betreuung. Außerdem werden dort ihre
Daten und Hintergründe gesammelt. Die Leute schlafen nach Geschlechtern
getrennt in Räumen für um die 10 Personen zusammen (mit Stockbetten, wie im
Schullandheim). Da dort vor allem bei den Frauen viele mit Kindern sind (als
ich da war, war dort unter anderem eine Frau mit 6 Kindern, die gerade wieder
schwanger war), kann man sich vorstellen, was in diesen Räumen für ein Chaos
und Halligalli herrscht. Die Immigranten bekommen von Sefras
Portugiesischunterricht, Hilfe bei der Arbeits-/ Wohnungssuche, etc. Für die
Meisten ist Brasilien nicht das Wunsch-Ziel, allerdings sind die Visa angeblich
leichter und billiger zu bekommen (kann man sich bei meinen Visums-Problemen
kaum vorstellen).
Den Dienstag habe ich in einem Projekt für Kinder- und
Jugendliche in einer Favela am Rande von São Paulo verbracht. Es war
erschreckend einen solchen Ort mal in Realität zu sehen – ich kannte Favelas ja
bisher nur aus dem Fernsehen. Die Gebäude ziehen sich die Hügel hinauf und
hinunter, die Straßen sind schmutzig, die Häuser klein und aneinandergedrängt
und die Wege zwischen ihnen so schmal, dass keine 2 Leute aneinander
vorbeigehen können. In vielen Familien herrscht Gewalt, Drogen sind ein
alltägliches Problem und nach Aussage eines Mitarbeiters ist „die Polizei hier
kein Freund der Menschen“. In dieser Lebenssituation bietet das Projekt von
Sefras eine Möglichkeit, aus dem Alltag zu entfliehen und einfach nur Kind zu
sein. Hier gibt es Platz zum Fußballspielen und Seilspringen, zum Basteln und
Malen, zum Tanzen und Musizieren. Die Kinder werden in 2 Schichten betreut,
eine am Vormittag und eine am Nachmittag (auch die Schule findet in 2 Schichten
statt). Sie bekommen ein warmes Mittagessen, sowie
Frühstück/Nachmittags-Snacks. An diesem Tag war wohl ich die Hauptattraktion :D
Ständig war ich von einer Gruppe Kids umringt, die wissen wollten, was dieses
oder jenes Wort auf Deutsch/ Englisch heißt, was ich in Deutschland denn essen
würde, ob ich einen Freund hätte und wie ich das Ergebnis des
Deutschland-Brasilien-Spiels bei der WM fand. Als meine Fußballmannschaft dann
auch noch 7:1 gewann, war der Spaß perfekt!
Heute habe ich den Vormittag in einem Projekt für
Müllsammler verbracht. In São Paulo gibt es, wie schon oben erwähnt,
unglaublich viele Menschen, die auf der Straße leben. Viele versuchen sich mit
dem Sammeln von Müll ein bisschen Geld zu verdienen. Sefras gibt ihnen zum einen
die Möglichkeit, dies in einer sicheren Umgebung und in geregelten Umständen zu
tun, und bietet zum anderen verschiedene Bildungsprogramme an. Dies ist vor
allem deshalb von Bedeutung, da viele Menschen auf der Straße kaum Bildung
genossen haben und teilweise sogar Analphabeten sind.
Am Nachmittag hat mir eine Mitarbeiterin von Sefras von
ihrer Arbeit in den Gefängnissen São Paulos erzählt. Brasilien hat angeblich
die dritthöchste Anzahl an Gefängnisinsassen der Welt (nach China und Indonesien)
und die Situation für diese ist katastrophal. Viele kommen wegen
vergleichsweise „geringen“ Vergehen, wie beispielsweise dem Verkauf von kleinen
Mengen an Drogen, für eine sehr lange Zeit ins Gefängnis. Dazu ist anscheinend
der Rassismus hier sehr ausgeprägt und die meisten der Insassen sind
afro-amerikanisch oder gehören einer indigenen Bevölkerungsgruppe an. Dieses
Projekt arbeitet sowohl mit den Gefängnisinsassen, unteranderem durch Gesprächsgruppen
zu unterschiedlichen Themen (getrennt in Jungs/ Mädchen, Männer/ Frauen), und
mit den Familien der Inhaftierten. Den Rest der Woche werde ich mir weitere
Projekte anschauen und mich dann für eines entscheiden.
Jetzt ist es kurz vor 7 und ich werd langsam müde :) Die
letzten Tage bin ich meist spätestens um halb 9 oder 9 Uhr ins Bett gegangen..
Das ständige Konzentrieren wegen der fremden Sprache und die ganzen neuen
Erfahrungen sind soooo anstrengend :D
Wer bis hierhin durchgehalten hat: Gratulation :) Ist doch etwas länger geworden.. aber vor allem am Anfang ist alles noch so neu und spannend!
Wer bis hierhin durchgehalten hat: Gratulation :) Ist doch etwas länger geworden.. aber vor allem am Anfang ist alles noch so neu und spannend!
Abraço,
Lea
| Blick von der Dachterrasse |
| Sao Paulo Centro |
| Praça Padre Bento vor dem Konvent |
| mein Zimmer |
| der Innenhof von oben |
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