Tudo bem - Alles klar?
Das ist hier die Standardfrage, mit der man von Jedem begrüßt wird, egal ob es ein Kind ist, die Oma von nebenan oder der Pfarrer. Die Antwort darauf ist ein "Tudo Bem!", "Tudo bom", "tudo" oder wahlweise auch nur ein hochgereckter Daumen. Außerdem gibt es meistens ein Küsschen, auch wenn man die Person gerade eben zum ersten Mal trifft. Wenn man die Leute kennt, kann aus dem Küsschen schon mal ein dicker Schmatzer auf die Backe werden und meist folgt noch eine Umarmung.
Ich mag diese Art von Begrüßung! Sie ist so unglaublich herzlich und liebenswürdig. Und außerdem wird so das übliche Problem "Wie begrüße ich die Person jetzt - mit einer Umarmung, einem Händeschütteln oder doch nur einem freundlichen Winken" einfach geschickt umgangen.
Seit dem letzten Blogeintrag ist viel passiert: Ich habe weitere spannende Projekte gesehen, mich endlich entschieden, wo ich mein Praktikum machen werde, São Paulo ein wenig unsicher gemacht, mich in einem Museum gebildet und nicht zu vergessen gefühlte 100 000 Luftballons aufgeblasen und Süßigkeiten-Tütchen verpackt.
Aber immer der Reihe nach..
Nachdem ich schon einige Projekte gesehen hatte, ging es Donnerstag in das Projekt "Casa de Clara". Dies ist ein offenes Angebot für Senioren, dass Ihnen viele Aktivitäten bietet, wie beispielsweise Musik machen, Tanzen, Malen, Basteln, Stricken, Nähen, Yoga,... Außerdem gibt es hier ein gemeinsames Mittagessen und natürlich Kaffee (ich hab noch nie so viel "cafezinho" getrunken, wie hier!!). All diese verschiedenen Tätigkeiten haben den Sinn, Gedächnis, Mobilität und Fingerfertigkeit zu stärken. Vor allem aber haben die Senioren dadurch die Möglichkeit, einmal aus ihrem Haus herauszukommen, etwas Neues zu machen und sich mit Anderen zu unterhalten. Als ich dort war wurden gerade Ketten gebastelt und nach den üblichen Floskeln (Woher kommst du, Was machst du hier, Wo wohnst du, Deine Augen - sind die BLAU?!?!?) habe ich mich Ihnen dabei angeschlossen. Ich hatte einen richtig lustigen Vormittag und hätte nie gedacht, dass mir Arbeit in diesem Bereich so viel Spaß machen könnte!
Am Freitag ging es noch einmal in das Müllsammler-Projekt "Recifran". Dort fand eine übergreifende Veranstaltung von Sefras zum Thema "Wasser" statt. São Paulo hat nämlich ein riesiges Wasserproblem! In den letzten Jahren wurde mit diesem Gut sehr leichtsinnig umgegangen und viele Anzeichen und Warnungen deswegen missachtet. Jetzt sind die Konsequenzen dieses Handelns zu spüren und es herrscht hier eine totale Wasserknappheit. In vielen Randgebieten und Favelas gibt es kein fließendes Wasser mehr und die Leute sind auf mobile Wassertanks angewiesen. Die Flüsse in der Stadt sind ausgetrocknet oder nur noch Rinnsale und auch hier im Zentrum wird überall mit Wasser gespart. Bei dem Vortrag ging es daher zum einen um die Ursachen des Problems und zum anderen darum, was jeder selbst tun kann.
Letztens hab ich im Bus ein Mädchen in einem T-Shirt mit dem Aufdruck "Save water - shower together!" (spare Wasser - dusche zusammen) gesehen.. Die hat das mit dem Sparen scheinbar sehr ernst genommen :D
Mit diesem Hintergrund hatte der viele Regen in meinen ersten beiden Wochen hier eigentlich einen Sinn und Vorteil - allerdings gibt es hierbei ein großes Problem, und zwar das Dengue-Fieber. Dieses wird von Moskitos übertragen, die sich in stehendem Wasser vermehren (da ist der Regen natürlich ein Traum). Im Moment ist in einigen Gebieten São Paulos (zum Glück nicht direkt bei uns) eine regelrechte Dengue-Epidemie ausgebrochen. Die Krankenhäuser sind überfüllt und reihenweise erkranken mehr Menschen.
Mein Wochenende war dann sehr entspannt: Ich habe einem Frei im Garten geholfen, mit meinen Eltern geskyped, mit den Brüdern ferngesehen und früh und viel geschlafen.
Montags hab ich mir dann das letzte Projekt angeschaut - das Obdachlosen-Projekt. Ich habe ja schon im vorherigen Blogeintrag erwähnt, dass es in São Paulo super viele Obdachlose gibt. Vor allem im Zentrum ist mir das sehr stark aufgefallen und genau hier befindet sich auch dieses Projekt. Es findet immer Nachmittags für 2-3 Stunden statt, in denen es einen Vortrag zu einem bestimmten Thema (z.B. Gesundheit oder Spiritualität) gibt. Es gibt dort auch Sozialarbeiter, an die sich die Menschen bei Problemen und Fragen wenden können. Außerdem - und dass ist oft das ausschlaggebende Argument zu erscheinen (va. in den kälteren Monaten) - gibt es kostenlos heißen Tee und Wurst-Semmeln. Dies ist für manche Teilnehmer die einzige "ordentliche" Mahlzeit am Tag. Die Menschen die dort erscheinen sind sehr unterschiedlich. Die einen sind super gepflegt und ordentlich angezogen, die anderen wirken ziemlich ungepflegt und kommen mit Sack und Pack im Einkaufswagen. Schlimm fand ich vor allem, als ich eine junge Frau mit einem blauen Auge und vielen blauen Flecken gesehen habe - für Frauen ist die Straße besonders gefährlich!
Ich hatte eine interessante Begegnung mit einem Mann aus Haiti, mit dem ich mich in einem Mischmasch aus Englisch, Portugiesisch und Deutsch unterhalten habe. Er kommt ursprünglich aus Port au Prince, hat aber 16 Jahre in der Dominikanischen Republik (dort hat dank die vielen deutschen Touristen etwas Deutsch aufgeschnappt) und danach in Frankreich und Argentinien gelebt. Jetzt lebt er hier in São Paulo - auf der Straße.
Am Nachmittag habe ich mich dann mit Rosangela zusammengesetzt und mich entgültig entschieden: Ich werde mein Praktikum im Kinder-Projekt und (wahrscheinlich) im Gefängnis-Projekt machen. Diese Kombination ist möglich, da letzteres vermutlich nur zweimal pro Woche stattfinden wird. Ich bin mit der Entscheidung total glücklich, da mir zum einen die Arbeit mit den Kindern unglaublich viel Spaß gemacht hat und ich das Projekt dort einfach super finde, und ich zum anderen mit der Arbeit mit Gefängnisinsassen einen ganz neuen, spannenden und herausfordernden Bereich in der Sozialen Arbeit kennen lernen kann. Im Gefängnis-Projekt war ich allerdings bisher noch nicht.
Der Ablauf meines Tages ist bisher folgendermaßen:
08.00 Uhr Frühstück
08.30 - 09.30 Uhr mit dem Bus ins Projekt (je nach Verkehr auch länger)
09.30 - 11.00 Uhr Aktivität mit den Kleinen
11.00 - 11.45 Uhr Kinder beim Mittagessen beaufsichtigen
11.45 - 13.00 Uhr Mittagspause
13.00 - 13.30 Uhr Kinder beim Mittagessen beaufsichtigen (Nachmittagsgruppe)
13.30 - 15.30 Uhr Aktivität mit den Kleinen
15.30 - 16.30 Uhr Spielzeit (Fußball, Seilspringen,..)
16.30 - 17.00 Uhr Nachmittags-Snack für die Kinder und Jugendlichen
17.00 - 17.30 Uhr Aufräumen
17.30 - 18.30 Uhr Heimfahrt (meistens wirds allerdings gegen 19.00 Uhr)
Nach so einem Tag bin ich meistens ziemlich geplättet und müde, aber zufrieden :)
In den zwei Wochen in dem Projekt habe ich auch schon zwei Feiern erlebt! Die erste fand schon am 26.3. statt, und zwar die "Celebração da vida". Es war die Geburtstagsfeier für all diejenigen, die im letzten Monat Geburtstag hatten und es wurde schon am Tag zuvor eifrig alles dafür mit 100 000 Luftballons, Plakaten und Glitzer geschmückt. Die Vormittagsgruppe wurde von einer Mitarbeiterin geschminkt und frisiert (mit Farbe!). Außerdem haben sie Clowns-Hüte und -Nasen bekommen. Es wurde ein Geburtstagsständchen gebrüllt, Kuchen gegessen und alle Kinder haben ein kleines Geschenk-Tütchen bekommen. Am Nachmittag wurde mit der Gruppe ein kleiner Film zum Thema "Helfen" geguckt, es gab eine Kinderdisko mit Knick-Leuchtbändern und ebenfalls Kuchen. Es was wirklich witzig - die mühevoll geschmückten Räumlichkeiten (2 verschiedene für 2 Gruppen) waren innerhalb einer Stunde zerstört und sahen aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Aber die Kinder sind glücklich und strahlend mit ihrem Geschenk-Tütchen, Papphüten, Knick-Lichtern und Luftballons nach Hause gegangen :)
Die zweite Feier war am Donnerstag und es wurde "Páscoa", also Ostern gefeiert. Hierfür hatten wir mit den größeren Jugendlichen den ganzen vorherigen Tag Plakate bemalt, Luftballons aufgeblasen, mal wieder Süßigkeiten in Tüten gepackt und Spiele vorbereitet. Am Donnerstag selbst haben wir typische Kindergeburtstags-Spiele gespielt, wie Mehl-Tauchen (Marshmallows mussten ohne Hände aus einer Schüssel voll Mehl geholt werden) und Reise nach Jerusalem. Außerdem ein super lustiges Spiel, bei dem die 2 Gruppen Luftballons aufblasen und durchs Daraufsetzen zerplatzen mussten, um an die darin versteckten Zettel zu kommen. Ein Mädchen war so klein und leicht, dass sie 3 Minuten auf ihrem Luftballon herumgehüpft ist und von allen Seiten auf den Stuhl gedrückt wurde, bis er endlich zerplatzt ist - ich hab Tränen gelacht!! Die versteckte Nachricht, die bei den ganzen Zetteln herauskam war übrigens, dass sich die Kinder einer Gruppe alle zusammen umarmen mussten. Die Gruppe, die dies als erstes gemacht hat, hatte gewonnen. Nach den Spielen gab es dann als Ostergeschenk die Tüte mit Süßigkeiten für jedes Kind.
Ach ja, letztes Wochenende habe ich mich ein bisschen in São Paulo umgesehen. Ich bin mit der U-Bahn in ein Stadtviertel namens "Vila Madalena" gefahren, war dort auf einem Flohmarkt und bin einfach durch die Straßen gewandert. Die Orte die ich eigentlich sehen wollte, habe ich zwar nicht gefunden, weil ich mich ständig verlaufen habe, aber dadurch habe ich andere wunderschöne Ecken entdeckt :)
Am Sonntag war ich in der "Pinacoteca do Estado", also im Museum! Es waren vor allem Bilder einheimischer Künstler ausgestellt - viel aus dem 17.- 19. Jahrhundert, aber auch einiges Zeitgenössisches. Besonders schön fand ich die Landschaftsbilder - ein kleiner Vorgeschmack auf einige Orte, die ich hier hoffentlich noch sehen darf!
Sooo.. nun bin ich am Ende meines Blogeintrags angekommen - ist mal wieder eeewig geworden! Ich kann leider kaum Fotos aus dem Kinder-Projekt online stellen. Die Leiterin hat mich gebeten, keine Bilder in soziale Netzwerke zu stellen und ich respektiere das natürlich! Ich hab trotzdem ganz viele tolle Fotos gemacht, die ich euch gerne allen zeige, wenn ich wieder in Deutschland bin!
Ich freue mich übrigens auch sehr über Rückmeldung, sei es in Kommentaren (es sollte jetzt funktionieren), E-Mails oder sonstigen Nachrichten :)
Nun bleibt nur noch ein FELIZ PÁSCOA, also frohe Ostern an euch alle!! Genießt die Feiertage mit euren Liebsten :)
Mein Bericht darüber folgt demnächst.. irgendwann :)
Beijos, Lea
Das ist hier die Standardfrage, mit der man von Jedem begrüßt wird, egal ob es ein Kind ist, die Oma von nebenan oder der Pfarrer. Die Antwort darauf ist ein "Tudo Bem!", "Tudo bom", "tudo" oder wahlweise auch nur ein hochgereckter Daumen. Außerdem gibt es meistens ein Küsschen, auch wenn man die Person gerade eben zum ersten Mal trifft. Wenn man die Leute kennt, kann aus dem Küsschen schon mal ein dicker Schmatzer auf die Backe werden und meist folgt noch eine Umarmung.
Ich mag diese Art von Begrüßung! Sie ist so unglaublich herzlich und liebenswürdig. Und außerdem wird so das übliche Problem "Wie begrüße ich die Person jetzt - mit einer Umarmung, einem Händeschütteln oder doch nur einem freundlichen Winken" einfach geschickt umgangen.
Seit dem letzten Blogeintrag ist viel passiert: Ich habe weitere spannende Projekte gesehen, mich endlich entschieden, wo ich mein Praktikum machen werde, São Paulo ein wenig unsicher gemacht, mich in einem Museum gebildet und nicht zu vergessen gefühlte 100 000 Luftballons aufgeblasen und Süßigkeiten-Tütchen verpackt.
Aber immer der Reihe nach..
Nachdem ich schon einige Projekte gesehen hatte, ging es Donnerstag in das Projekt "Casa de Clara". Dies ist ein offenes Angebot für Senioren, dass Ihnen viele Aktivitäten bietet, wie beispielsweise Musik machen, Tanzen, Malen, Basteln, Stricken, Nähen, Yoga,... Außerdem gibt es hier ein gemeinsames Mittagessen und natürlich Kaffee (ich hab noch nie so viel "cafezinho" getrunken, wie hier!!). All diese verschiedenen Tätigkeiten haben den Sinn, Gedächnis, Mobilität und Fingerfertigkeit zu stärken. Vor allem aber haben die Senioren dadurch die Möglichkeit, einmal aus ihrem Haus herauszukommen, etwas Neues zu machen und sich mit Anderen zu unterhalten. Als ich dort war wurden gerade Ketten gebastelt und nach den üblichen Floskeln (Woher kommst du, Was machst du hier, Wo wohnst du, Deine Augen - sind die BLAU?!?!?) habe ich mich Ihnen dabei angeschlossen. Ich hatte einen richtig lustigen Vormittag und hätte nie gedacht, dass mir Arbeit in diesem Bereich so viel Spaß machen könnte!
Am Freitag ging es noch einmal in das Müllsammler-Projekt "Recifran". Dort fand eine übergreifende Veranstaltung von Sefras zum Thema "Wasser" statt. São Paulo hat nämlich ein riesiges Wasserproblem! In den letzten Jahren wurde mit diesem Gut sehr leichtsinnig umgegangen und viele Anzeichen und Warnungen deswegen missachtet. Jetzt sind die Konsequenzen dieses Handelns zu spüren und es herrscht hier eine totale Wasserknappheit. In vielen Randgebieten und Favelas gibt es kein fließendes Wasser mehr und die Leute sind auf mobile Wassertanks angewiesen. Die Flüsse in der Stadt sind ausgetrocknet oder nur noch Rinnsale und auch hier im Zentrum wird überall mit Wasser gespart. Bei dem Vortrag ging es daher zum einen um die Ursachen des Problems und zum anderen darum, was jeder selbst tun kann.
Letztens hab ich im Bus ein Mädchen in einem T-Shirt mit dem Aufdruck "Save water - shower together!" (spare Wasser - dusche zusammen) gesehen.. Die hat das mit dem Sparen scheinbar sehr ernst genommen :D
Mit diesem Hintergrund hatte der viele Regen in meinen ersten beiden Wochen hier eigentlich einen Sinn und Vorteil - allerdings gibt es hierbei ein großes Problem, und zwar das Dengue-Fieber. Dieses wird von Moskitos übertragen, die sich in stehendem Wasser vermehren (da ist der Regen natürlich ein Traum). Im Moment ist in einigen Gebieten São Paulos (zum Glück nicht direkt bei uns) eine regelrechte Dengue-Epidemie ausgebrochen. Die Krankenhäuser sind überfüllt und reihenweise erkranken mehr Menschen.
Mein Wochenende war dann sehr entspannt: Ich habe einem Frei im Garten geholfen, mit meinen Eltern geskyped, mit den Brüdern ferngesehen und früh und viel geschlafen.
Montags hab ich mir dann das letzte Projekt angeschaut - das Obdachlosen-Projekt. Ich habe ja schon im vorherigen Blogeintrag erwähnt, dass es in São Paulo super viele Obdachlose gibt. Vor allem im Zentrum ist mir das sehr stark aufgefallen und genau hier befindet sich auch dieses Projekt. Es findet immer Nachmittags für 2-3 Stunden statt, in denen es einen Vortrag zu einem bestimmten Thema (z.B. Gesundheit oder Spiritualität) gibt. Es gibt dort auch Sozialarbeiter, an die sich die Menschen bei Problemen und Fragen wenden können. Außerdem - und dass ist oft das ausschlaggebende Argument zu erscheinen (va. in den kälteren Monaten) - gibt es kostenlos heißen Tee und Wurst-Semmeln. Dies ist für manche Teilnehmer die einzige "ordentliche" Mahlzeit am Tag. Die Menschen die dort erscheinen sind sehr unterschiedlich. Die einen sind super gepflegt und ordentlich angezogen, die anderen wirken ziemlich ungepflegt und kommen mit Sack und Pack im Einkaufswagen. Schlimm fand ich vor allem, als ich eine junge Frau mit einem blauen Auge und vielen blauen Flecken gesehen habe - für Frauen ist die Straße besonders gefährlich!
Ich hatte eine interessante Begegnung mit einem Mann aus Haiti, mit dem ich mich in einem Mischmasch aus Englisch, Portugiesisch und Deutsch unterhalten habe. Er kommt ursprünglich aus Port au Prince, hat aber 16 Jahre in der Dominikanischen Republik (dort hat dank die vielen deutschen Touristen etwas Deutsch aufgeschnappt) und danach in Frankreich und Argentinien gelebt. Jetzt lebt er hier in São Paulo - auf der Straße.
Am Nachmittag habe ich mich dann mit Rosangela zusammengesetzt und mich entgültig entschieden: Ich werde mein Praktikum im Kinder-Projekt und (wahrscheinlich) im Gefängnis-Projekt machen. Diese Kombination ist möglich, da letzteres vermutlich nur zweimal pro Woche stattfinden wird. Ich bin mit der Entscheidung total glücklich, da mir zum einen die Arbeit mit den Kindern unglaublich viel Spaß gemacht hat und ich das Projekt dort einfach super finde, und ich zum anderen mit der Arbeit mit Gefängnisinsassen einen ganz neuen, spannenden und herausfordernden Bereich in der Sozialen Arbeit kennen lernen kann. Im Gefängnis-Projekt war ich allerdings bisher noch nicht.
| Grundsätze des Projekts: Respekt, Zuneigung und Verantwortung |
Seit dem 24.03. fahre ich daher nun also täglich 1 bis 1,5 Stunden morgens in das Kinder-Projekt und abends wieder zurück. Vor allem am Anfang war diese Busfahrt und allein schon der Weg zum Bus eine kleine Herausforderung. Es gibt hier in São Paulo keine Buspläne, was bedeutet, dass irgendwie jeder weiß, wo genau welcher Bus wohin fährt - außer mir natürlich :) Nachdem ich mir aber den Weg zu meiner Haltestelle gemerkt, und die Namen der Buslinien ins Handy gespeichert hatte, war die Fahrt gar nicht mehr so schwer.. und inzwischen weiß ich sogar, wo ich aussteigen muss :D
| Peri Alto - das Viertel in dem das Projekt ist |
Wie ich schon oben erwähnt habe, bin ich mit dem Projekt super zufrieden!!! Zum einen sind die Mitarbeiterinnen (mal wieder typisch soziales Arbeitsfeld nur Frauen - ist also hier leider auch nicht viel anders als in Deutschland) alle noch ziemlich jung und sehr engagiert. Sie gehen unglaublich liebevoll mit den Kindern und Jugendlichen um und die Stimmung im Team und in der gesamten Einrichtung ist geprägt von Zuneigung, Herzlichkeit und Humor. Zum anderen sind die Kids dort einfach klasse. Sie sind zwischen 6 und 15/16 Jahren alt und kommen alle aus der direkten Umgebung. Es ist zwar eine unglaublich laute (viele können sich nur schreiend unterhalten), wilde und teilweise stark pubertierende Rasselbande, aber gleichzeitig sind sie total neugierig, begeisterungsfähig, herzlich und unglaublich geduldig mit mir (und meinem Portugiesisch - Zitat "Nein du Idiot, du musst gaaanz langsam sprechen, sonst versteht sie dich nicht!!"). Ich habe mit der Projektleiterin Angela ausgemacht, dass ich im ersten Monat zunächst einmal versuchen werde, das Projekt und natürlich vor allem die Kinder kennen zu lernen (sind ja so zirka 40 pro "Schicht"). Wenn ich dann nicht mehr die "Neue" bin, eine Vertrauensbasis mit ihnen aufgebaut habe und vor allem mein Portugiesisch besser ist, werde ich auch eigene Aktionen mit den Kindern planen und durchführen. Die letzten beiden Wochen war ich daher meistens mit Jane, der "Lehrerin" für die jüngeren Kinder (6 - 11 Jahre) bei ihren Aktivitäten dabei und habe sie etwas unterstützt. Apropo Jane - ich habe ihren Namen erst vor kurzem verstanden! Die Kinder rufen sie nämlich immer "Oi, Jane!" (= hey, Jane), was sich aber anhört wie ein Wort und zwar "Euschaaani" (Schaaani = Jane). Ich hab mich die ganze Zeit gewundert was für ein komischer Name das sein soll, bis ich sie irgendwann gebeten hab mir ihren Namen zu buchstabieren :D Sie ist super lieb und bezieht mich die ganze Zeit in ihre Aktivitäten mit ein. In den letzten Tagen haben wir verschiedenste Sachen mit ihnen gemacht: Sterne gebastelt mit ihren Zukunftswünschen darauf, "Stadt, Land, Fluss" gespielt (ich musste zum Glück nur Schiedsrichter sein), Osternester gebastelt, Schokoeier für Ostern selbst hergestellt, geknetet, gemalt,...
Sonst hab ich mich viel mit den verschiedensten Kindern über die verschiedensten Themen unterhalten.
Hier exklusiv für euch die Top-5 der Smalltalk-Fragen:
1. Wie heißt du?
2. Bist du verheiratet?
Hier exklusiv für euch die Top-5 der Smalltalk-Fragen:
1. Wie heißt du?
2. Bist du verheiratet?
3. Hast du einen Freund
4. Hast du Kinder?
5. Sind deine Augen wirklich blau?
4. Hast du Kinder?
5. Sind deine Augen wirklich blau?
Ein Mädchen war übrigens ganz verwirrt, als ich ihr erzählt habe, das ich nicht auf Portugiesisch, sondern auf Deutsch denke :)
Manche haben aber auch wirklich interessante Sachen gefragt und erzählt! Ein Mädchen hat mich gefragt, ob es denn in meiner Stadt in Deutschland viele Morde gäbe, auf mein "Ähh nein" und die Nachfrage, wie es denn hier sei, hat sie mir erzählt, dass ihr Großvater vor seiner Haustüre erschossen wurde. Ihre Mutter war damals 12 Jahre alt und hat es mit angesehen. Ich wurde hier übrigens schon mehrmals gefragt, ob es denn in Deutschland viel Gewalt gäbe - für viele ist das hier (vor allem in den Favelas und ärmeren Gebieten) eine Alltäglichkeit.
Ein anderes Mädchen hat mir erzählt, dass sie 9 Geschwister hat!!! (es sind allerdings auch einige Halbgeschwister darunter)
Ein anderes Mädchen hat mir erzählt, dass sie 9 Geschwister hat!!! (es sind allerdings auch einige Halbgeschwister darunter)
| links der kleine Fußballplatz, rechts eine überdachte Halle zum Spielen |
Der Ablauf meines Tages ist bisher folgendermaßen:
08.00 Uhr Frühstück
08.30 - 09.30 Uhr mit dem Bus ins Projekt (je nach Verkehr auch länger)
09.30 - 11.00 Uhr Aktivität mit den Kleinen
11.00 - 11.45 Uhr Kinder beim Mittagessen beaufsichtigen
11.45 - 13.00 Uhr Mittagspause
13.00 - 13.30 Uhr Kinder beim Mittagessen beaufsichtigen (Nachmittagsgruppe)
13.30 - 15.30 Uhr Aktivität mit den Kleinen
15.30 - 16.30 Uhr Spielzeit (Fußball, Seilspringen,..)
16.30 - 17.00 Uhr Nachmittags-Snack für die Kinder und Jugendlichen
17.00 - 17.30 Uhr Aufräumen
17.30 - 18.30 Uhr Heimfahrt (meistens wirds allerdings gegen 19.00 Uhr)
Nach so einem Tag bin ich meistens ziemlich geplättet und müde, aber zufrieden :)
In den zwei Wochen in dem Projekt habe ich auch schon zwei Feiern erlebt! Die erste fand schon am 26.3. statt, und zwar die "Celebração da vida". Es war die Geburtstagsfeier für all diejenigen, die im letzten Monat Geburtstag hatten und es wurde schon am Tag zuvor eifrig alles dafür mit 100 000 Luftballons, Plakaten und Glitzer geschmückt. Die Vormittagsgruppe wurde von einer Mitarbeiterin geschminkt und frisiert (mit Farbe!). Außerdem haben sie Clowns-Hüte und -Nasen bekommen. Es wurde ein Geburtstagsständchen gebrüllt, Kuchen gegessen und alle Kinder haben ein kleines Geschenk-Tütchen bekommen. Am Nachmittag wurde mit der Gruppe ein kleiner Film zum Thema "Helfen" geguckt, es gab eine Kinderdisko mit Knick-Leuchtbändern und ebenfalls Kuchen. Es was wirklich witzig - die mühevoll geschmückten Räumlichkeiten (2 verschiedene für 2 Gruppen) waren innerhalb einer Stunde zerstört und sahen aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Aber die Kinder sind glücklich und strahlend mit ihrem Geschenk-Tütchen, Papphüten, Knick-Lichtern und Luftballons nach Hause gegangen :)
Die zweite Feier war am Donnerstag und es wurde "Páscoa", also Ostern gefeiert. Hierfür hatten wir mit den größeren Jugendlichen den ganzen vorherigen Tag Plakate bemalt, Luftballons aufgeblasen, mal wieder Süßigkeiten in Tüten gepackt und Spiele vorbereitet. Am Donnerstag selbst haben wir typische Kindergeburtstags-Spiele gespielt, wie Mehl-Tauchen (Marshmallows mussten ohne Hände aus einer Schüssel voll Mehl geholt werden) und Reise nach Jerusalem. Außerdem ein super lustiges Spiel, bei dem die 2 Gruppen Luftballons aufblasen und durchs Daraufsetzen zerplatzen mussten, um an die darin versteckten Zettel zu kommen. Ein Mädchen war so klein und leicht, dass sie 3 Minuten auf ihrem Luftballon herumgehüpft ist und von allen Seiten auf den Stuhl gedrückt wurde, bis er endlich zerplatzt ist - ich hab Tränen gelacht!! Die versteckte Nachricht, die bei den ganzen Zetteln herauskam war übrigens, dass sich die Kinder einer Gruppe alle zusammen umarmen mussten. Die Gruppe, die dies als erstes gemacht hat, hatte gewonnen. Nach den Spielen gab es dann als Ostergeschenk die Tüte mit Süßigkeiten für jedes Kind.
Ach ja, letztes Wochenende habe ich mich ein bisschen in São Paulo umgesehen. Ich bin mit der U-Bahn in ein Stadtviertel namens "Vila Madalena" gefahren, war dort auf einem Flohmarkt und bin einfach durch die Straßen gewandert. Die Orte die ich eigentlich sehen wollte, habe ich zwar nicht gefunden, weil ich mich ständig verlaufen habe, aber dadurch habe ich andere wunderschöne Ecken entdeckt :)
| Flohmarkt |
| Vila Madalena gilt als das "alternative Viertel" |
| Sehr viele Mauern und Häuser sind besprayed |
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| Pastel mit Käse und Zuckerrohrsaft |
Sooo.. nun bin ich am Ende meines Blogeintrags angekommen - ist mal wieder eeewig geworden! Ich kann leider kaum Fotos aus dem Kinder-Projekt online stellen. Die Leiterin hat mich gebeten, keine Bilder in soziale Netzwerke zu stellen und ich respektiere das natürlich! Ich hab trotzdem ganz viele tolle Fotos gemacht, die ich euch gerne allen zeige, wenn ich wieder in Deutschland bin!
Ich freue mich übrigens auch sehr über Rückmeldung, sei es in Kommentaren (es sollte jetzt funktionieren), E-Mails oder sonstigen Nachrichten :)
Nun bleibt nur noch ein FELIZ PÁSCOA, also frohe Ostern an euch alle!! Genießt die Feiertage mit euren Liebsten :)
Mein Bericht darüber folgt demnächst.. irgendwann :)
Beijos, Lea



